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Wie ich zum Tae Kwon-Do kam

Ein Bericht zur Sicht auf das Tae Kwon-Do von Dipl. Psych. Christian Bischoff


Kampfkunst bzw. -sport begleitete mich mein ganzes Leben lang. Schon als Kind übten die Action- und Martial Arts-Stars der 80er- und 90er-Jahre in ihren Filmen eine so große Faszination auf mich aus, dass ich mich später mich an Ringen, Judo, Aikido, Karate und Thai-Boxen versuchte, wobei ich keiner dieser Kampfkünste bzw. -sportarten längere Zeit treu blieb. Prüfungen wollte ich nie ablegen. Ich wollte nicht trainieren, um mich mit einem bunten Stoffband zu schmücken, sondern um Techniken zu erlernen.

 

Durch Studium, Berufsleben und Familie geriet meine Leidenschaft bedauerlicherweise einige Zeit ins Hintertreffen. Mit Anfang 30 stellte ich mir dann die Frage, ob ich einen „Neuanfang“ wagen sollte. Auf der Suche nach Anbietern von Familientraining, um auch dann regelmäßig trainieren zu können, wenn mal keiner da ist, um auf die Kinder aufzupassen, stieß ich auf die Tae Kwon-Do-Schulen von Axel Schulze, die diesbezüglich optimale Voraussetzungen bieten. Meine Töchter mussten nicht motiviert werden, sie waren von der Idee ohnehin begeistert und darüber hinaus mit damals 6 und 7 Jahren in einem bewegungsfreudigen, quasi „perfekten Alter“, um mit Kampfkunst zu beginnen.

 

Das Training bereitete uns von Beginn an große Freude. Auch wenn die Bewegungsabfolgen am Anfang doch teilweise schwer zu wiederholen waren, waren schnell Fortschritte festzustellen. Nach wenigen Wochen sollte ich dann kurz vor dem Ende eines Trainings die 1. Hyong laufen und einen vorgegebenen Bruchtest durchführen. Es dauerte eine Weile, bis ich realisiert hatte, dass ich gerade meine erste Prüfung absolviert und erfolgreich bestanden hatte. Ich fühlte mich einerseits ein wenig überrumpelt, da ich Prüfungen gegenüber ja eher skeptisch gegenüberstand, was ich meinem Meister verschwiegen hatte, andererseits war ich überglücklich. Nun gab es kein Zurück mehr, ich blieb dem Tae Kwon-Do treu. Meine Töchter haben es ebenso als festen Bestandteil ihres Alltags übernommen. Auch wenn sie vor dem Training mitunter aufgrund der antizipierten Anstrengungen etwas rummaulen, gehen sie aus jeder Stunde mit Ausgelassenheit und Freude heraus.

 

Das Training bietet auch bzw. gerade nach einem anstrengenden Arbeitstag durch seine Vielseitigkeit eine ideale Ausgleichsmöglichkeit. Neben der Förderung und Stärkung körperlicher Parameter, wie Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Koordination und Beweglichkeit, geht es auch immer um den Kampf gegen sich selbst. Durch das beständige Streben um Fortschritt beim Erlernen und Verfeinern der Techniken muss man sich voll und ganz auf das Training und sich selbst konzentrieren. Man kämpft dabei gegen die eigene Schwäche, Bequemlichkeit und Nachlässigkeit und entwickelt Selbstkontrolle, Selbstvertrauen und Entschlossenheit.

 

Das Training in der Gruppe vermittelt ein Gefühl von Zugehörigkeit, dennoch genießt man eine gewisse Anonymität (ich darf einer von vielen sein und muss nichts beweisen). Nichtsdestotrotz wird man als Individuum durch die Gruppe oder in Partnerübungen ständig zu Höchstleistungen, zum Über-sich-Hinauswachsen angespornt. Ich habe im Verein viele interessante Menschen kennengelernt, die ich nicht mehr missen möchte. Der Umgang miteinander ist sehr persönlich und familiär, was gerade Anfängern den Einstieg sehr erleichtert.

 

Meine Sichtweise auf die Prüfungen hat sich dahingehend verändert, dass ich sie als Zwischenziele betrachte. So ist ein Weg, der nicht enden wird – denn man lernt in der Kampfkunst bzw. im Kampfsport, wie auch im wahren Leben nie aus – doch überschaubarer. Getreu dem Zitat des Neurobiologen Prof. G. Hüther – „Die Wiederentdeckung des Körpers ist die Wiederentdeckung des Selbst, des Fühlens und der Berührung“ – halte ich Tae Kwon-Do nach Kwon, Jae-Hwa für eine hervorragende Möglichkeit, Körper und Geist in Bewegung zu halten.


Christian Bischoff - Wie ich zum Tae Kwon-Do kam