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Rene Stubenrauch - Erfahrungsbericht 2017-01

Ein Bericht zur Vorbereitung auf die Prüfung zum 1. Kup von René Stubenrauch


Nun ja, was soll ich sagen, bis vor sieben Jahren wusste ich noch nichts von Tae Kwon-Do. Den Begriff hatte ich schon gehört, aber das, was darunter zu verstehen war, konnte ich mir nicht einmal vorstellen. Das Ganze sollte sich schlagartig ändern, als mein Sohn eingeschult wurde. Regelmäßig habe ich ihn vom Hort abgeholt, nicht zuletzt um zu erfahren, wie er sich in der Schule so schlägt. An einem Nachmittag, als es mal wieder so weit war und ich in der Schule auftauchte, kam ich ins Gespräch mit einem der Hortmitarbeiter. Dies war Herr Schulze. Er erzählte mir von Tae Kwon-Do. Zu diesem Zeitpunkt baute er in Jena gerade eine Schule auf und ich sollte doch mal zum Schnuppern vorbei kommen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner ahnen was dieses Gespräch für Auswirkungen, nicht nur auf mich, haben sollte. Ein paar Wochen gingen ins Land bis ich meiner Frau von diesem Gespräch berichtete. Ihre Meinung: „gucken kostet nichts“ und vielleicht gingen ja davon meine Rückenprobleme weg und das Allgemeinbefinden wird besser. Heute glaube ich manchmal, wenn Sie zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte was daraus wird, so hätte sie mich vielleicht nicht unbedingt ermutigt zu schnuppern. Bei mir war es nach dem Probetraining so weit. Nun suchte ich nur noch nach einen günstigen Zeitpunkt für das Probetraining Training. Hierzu führte ich ein Gespräch mit Herrn Schulze. Ergebnis:  Wir einigten uns auf die bevorstehenden Ferien, da zu diesem Zeitraum nicht so viele Schüler an die TKD Schule kommen und somit genügend Zeit ist um einen allumfassenden Überblick vom Training zu bekommen. Ich konnte nicht erahnen, was ich damit angerichtet hatte, in den Schulferien zum Probetraining zu gehen. Aber, gesagt getan. Ich packte meine Tasche und machte mich auf den Weg nach Jena. Als ich die TKD-Schule betrat war ich überrascht wie unwahrscheinliche höflich alle mit einander umgingen. Mann Verbeugte sich vor einander gab sich die Hand und alle stellten sich bei mir vor. Kurzzeitig war ich sehr desorientiert. Herr Schulze war schlagartig Kyosah-Nim und nicht mehr Axel Schulze. Das verstand ich nun gar nicht.

 

Das Training begann. Es wurde mit einer Aufwärmung gestartet. Schon zu diesem Zeitpunkt sagte ich mir innerlich „du gibst nicht auf“ obwohl ich eigentlich am liebsten weglaufen wollte. Aus meiner Sicht habe ich die Unterrichtsstunde bis zum Ende tapfer durchgehalten.

Danach ging ich nach Hause. Auf dem Weg sagte ich mir immer und immer wieder: „Nie wieder tust du das!“ Zu Hause angekommen legte ich mich ins Bett und schlief sofort ein. Am nächsten Morgen kam das Erwachen. Allein aus dem Bett aufstehen war eine Qual. Die Arme heben oder auch laufen ging auch nicht wirklich besser. In diesem Zustand befand ich mich bis zur nächsten Trainingseinheit, denn ich ging wieder hin. Nur um nicht zu zeigen, wie sehr mich das Training körperlich anstrengte, ging ich von jetzt an jedes mal immer wieder hin. Getreu dem Motto: „Die Zeit heilt alle Wunden“ wurde es natürlich von Woche zu Woche besser und meine Rückenprobleme verschwanden zusehends.

 

Fortan stand ich als Weißgurt in der Letzten Reihe und das Begehren auch vorn zu stehen wuchs in mir stetig. Im Laufe der Zeit wuchs auch die Trainingsgruppe und immer neue Schüler kamen hinzu. Diese machten auch regelmäßig Prüfungen. Nur einer stand tapfer in der letzten Reihe und wunderte sich darüber, dass er keine Prüfung machen durfte. Ein Trainingspartner, sagte immer zu mir: „der Meister entscheidet wann der Zeitpunkt zu Prüfung gekommen ist, ein Schüler fragt nicht“. Diesen Hinweis beherzigte ich. Ich fragte also nicht nach meiner ersten Prüfung. Aber in dieser Zeit wuchs in mir der Verdacht, dass mein Training so schlecht sei, dass ich es einfach nicht verdient hätte eine Prüfung abzulegen. Nach vielen Monaten war es endlich so weit, ich durfte zu meiner ersten Prüfung antreten. Ich wusste gar nicht so recht was da passiert, bis der Meister mir zu meiner bestandenen Prüfung gratulierte. An diesem Tag fasste ich den Entschluss, mit Vollendung meines 50 Lebensjahres ein Schwarzgurt zu seien.

 

Von nun an änderte sich meine Einstellung zum Tae Kwon-Do grundlegend. Ich betrachtete es bis dato immer als sportliche Ertüchtigung die mir gesundheitlich gut tat. Jetzt wurde daraus eine Lebenseinstellung, die mir in meinen Leben mehr Ruhe und Besonnenheit vermittelt. Ich bringe wesentlich mehr Verständnis für andere auf, auch wenn dies manchmal schwer fällt.

 

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war meine erste Begegnung mit Großmeister Kwon, Jae-Hwa. Diese ereignete sich in der damaligen Schule in Eisenberg. Von diesen Tag an beschäftigte ich mich intensiver mit der Geschichte des TKD und der Entstehung, wobei ich immer wieder viele neue Dinge darüber lernte.

 

Jetzt bin ich ein Rotgurt. Natürlich bin ich auch schon einige Jahre älter wie zum Start. Zu manchen Trainingseinheiten fällt es mir schwer verschiedene Techniken zu erlernen. Ich habe viele Freunde dazu gewonnen, aber auch einige wieder verloren. Als Rotgurt versuche ich meine Erfahrungen weiter zu vermitteln um andere zu motivieren. Ich fahre regelmäßig als Erzieher mit ins Ferienlager und erfreue mich daran, zu sehen wie sich die Kinder entwickeln.

 

Mein Meister ist Großmeister und ich bewundere seine Leistung sehr. Mein Wille ein Schwarzgurt werden zu wollen ist ungebrochen und ich danke Großmeister Axel Schulze mich so weit gebracht zu haben. Ich möchte die Trainingseinheiten bei ihm nicht missen. Ich wünsche mir noch sehr lange die Kampfkunst des TKD ausüben zu können und damit würdig zu Altern.


Rene Stubenrauch

Ausarbeitung zur Sicht auf die eigene Kampfkunstgeschichte

Erfahrungsbericht 2017-01