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Danuta Weyh - Erfahrungsbericht 2017-04

Ein Bericht zur Vorbereitung auf die Prüfung zum 1. Kup von Danuta Weyh


Danuta Weyh - Langjährige Schülerin der Budosport- und Kampfkunstschulen A. Schulze

Meine Kampfkunstgeschichte.

Wie hat mein Leben mit Taekwondo angefangen...

 

Vor 10 Jahren habe ich einen guten Sport für meine Tochter gesucht. Sie hatte schon Tanzen und Leichtathletik ausprobiert, aber sie hatte noch keinen richtigen Sport für sich gefunden. Kein Wunder – im Alter von 7 Jahren entscheiden meist die Eltern, was Ihre Kinder machen. In meinem Sportclub wurde auch Taekwondo angeboten. Das Einzige, was ich über Taekwondo wusste, war, dass das ein Kampfsport ist. Also gut für ein kleines Mädchen um Ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sich zu verteidigen. Nachdem ich bei meiner Tochter die ganze Überzeugungsarbeit geleistet hatte, war ich froh, dass sie Taekwondo ausprobieren wollte. Es gab aber, wie so oft im Leben, eine Bedingung von ihr: Sie macht das nicht alleine, hat sie verkündet. Tja, also jemand musste mitmachen. Ich wollte selbst nicht mitmachen, weil ich damals Rückenprobleme hatte, und ich war im Yogarausch. Ich dachte, Taekwondo ist für mich zu gefährlich. So blieb nur der Papa... und so ist Thomas mit Kathi zum Taekwondo gegangen. Nachdem sie ohne Verletzungen nach Hause gekommen sind und immer viel über das Training erzählt haben, habe ich mich entschlossen ein Probetraining zu absolvieren. Ich wollte außerdem mit meiner Familien in der freien Zeit, die wir aufgrund der Berufe so wenig haben, gemeinsam etwas unternehmen. Ich wollte dabei sein. Und so hat mein Leben mit Taekwondo begonnen.

 

Ich erinnere mich genau an das erste Training, an diese Bewegungen, an die (inzwischen) einfachen Techniken, die so schwer damals für mich waren. Deshalb kann ich mich sehr gut in jeden hineinversetzen, der bei uns neu beginnt, und wenn ich mit den jungen „Kollegen“ trainiere, versuche ich sie auch zu motivieren und zu loben, wenn ihnen eine Übung gelungen ist. Lob ist ein guter Motivator für jeden, und jeder Anfang ist schwer... Mit Begeisterung habe ich damals (und heute immer noch) die Bewegungen des Kyosah-Nims beobachtet und mir gedacht, wann kann ich auch so sein... Wahrscheinlich nie. Ich bin aber ein Kämpfer, und ein „Du kannst das nicht“ toleriere ich bei mir nicht.

 

Meine erste Prüfung habe ich am 06.07.2007 durchgeführt. Ich war so überrascht, dass ich so schnell das Brett kaputt gemacht habe, erleichtert und stolz. Und ich habe mir vorgenommen jede nächste Prüfung perfekt zu bestehen. Das ist sehr ehrgeizig, werdet ihr sagen. Ja, sicher. Aber Perfektionismus braucht Zeit und kann auch hemmend wirken, weil man denkt, man ist noch nicht gut genug. Ich gehe hiermit sehr kritisch mit mir um. Wenn man vorne steht, muss man Vorbild für die anderen in hinteren Reihen sein. Auch wenn sie jünger sind, muss man so üben, dass die Jüngeren mit Respekt hinschauen und sagen ,,Wow, in dem Alter...“.

 

Ich erinnere mich, als wäre es heute, auch an die Begegnungen mit Sahbum-Nim Kwon, Jae-Hwa und als er mir persönlich die 6. Hyong gezeigt hat, weil ich sie nicht konnte. Das war so peinlich. Ich habe mir damals geschworen besser zu werden. Besser bedeutet schneller, stärker, höher... Da bin ich zu ehrgeizig. Wie wird man aber besser? DISZIPLIN ist eine Antwort darauf. Du musst regelmäßig trainieren. Nur der, der hart trainiert – auch zu Hause, nicht nur während des Trainings – kann besser werden. Ich denke, es ist egal, wie alt du bist. Wichtig ist, dass man es versucht und tut. Klar, dass mit den Jahren bestimmte Übungen nicht leichter fallen. Jeden Tag Spagat üben – 1 Tag Pause, und man beginnt wieder von vorne... Es ist leider so, auf jedem Fall wenn man älter ist. Oder ich habe für meine Rotgurtprüfung monatelang den 540° Kick geübt, geübt und geübt. Ich war am Verzweifeln (meine Familie auch). Jede kleine Verbesserung hat mich gefreut und motiviert weiter zu üben. Der Kick ist leider noch nicht perfekt. Zum Schwarzgurt wird er es sein. Muss! Da habe ich einen starken Kampfgeist.

 

Taekwondo ist eine Kampfkunst, die von General Choi Hong-hi mit seinen Schülern, unter anderem mit dem Sahbum-Nim Kwon Jae-Hwa, in 1955 Korea entwickelt wurde. General Choi wollte Karate mehr tänzerisch machen, deshalb arbeiten wir bei Taekwondo mit vielen Beintechniken und das fasziniert mich sehr. Gerade die wunderschönen Kicks, besonders wenn mein Sahbum-Nim sie ausführt, sehen so super aus; aber sie verlangen eine harte Arbeit. Wie hart man an sich selbst und Techniken arbeiten kann, lernt uns General Choi Hong-hi. Er erlangte nur nach 2 Jahren Training den ersten Dan im Shotokan-Karate.

 

Was ebenfalls bei den Trainings sehr wichtig ist und uns im Alter oft fehlt, ist der MUT. Man braucht ihn zum Beispiel bei so einfachen Sachen wie in die Höhe zu springen. Als Kinder springen wir ständig, ohne Bedenken, aber als Erwachsene hast du einfach sehr viele Bedenken, die dich an dem Boden fast festhalten. Den eigenen Schatten zu überwinden um besser zu werden, den Körper beherrschen und der KAMPFGEIST – das ist sehr wichtig, wenn man erfolgreich sein möchte. Gerade während des Nahkampfes entwickelt man beim Training andere wichtige Eigenschaften, nämlich die KONTROLLE. Jede Bewegung muss genau sein und muss kontrolliert werden, damit man den Partner nicht verletzt. Diese Übungen schärfen ebenfalls unsere KONZENTRATION. Auf diese Weise wird nicht nur der Körper, sondern auch der Geist trainiert. Deshalb ist Taekwondo ein hervorragender Sport für die Stressbewältigung. Also genau richtig für mich!

 

Wenn ich meinen Dobok anziehe und den Dojang-Raum betrete, bin ich sofort bereit für das Training, und der stressige Alltag ist vergessen. Interessanterweise schalte ich beim Taekwondo schnell ab und entspanne mich besser, als wenn ich laufe. Besonders befreiend wirkt auf mich schon das laute ,,Kiap“: mit voller Energie geschrien, und mein Kopf ist frei, die Müdigkeit nach 400 km Autofahren oder nach anstrengenden Meetings ist einfach weg. Nach dem Training ich bin also entspannter, fühle mich gesünder und ich fühle mich STARK für den nächsten Arbeitstag. Wir brauchen das laute,,Kiap“ um die Hyongs und andere Trainingseinheiten mit Stärke und voller Kraft durchzuführen. Darauf achte ich auch bei den Trainings mit den „Neulingen“. Taekwondo stärkt unser Selbstbewusstsein.

 

Ab dem ersten Tag bei Taekwondo hat mich die Atmosphäre bei uns begeistert. Wir alle gehen sehr freundlich miteinander um, begrüßen uns, helfen uns, geben uns die Hand. Im Grunde genommen sind das ganz normale Sitten, aber ich beobachte leider auch allmählich, dass sie manchmal im täglichen Leben vergessen werden. Wir RESPEKTieren uns und sind unserem Sahbum-Nim gegenüber LOYAL. Deshalb eine Bitte an alle Eltern: schickt auch aus diesem Grund eure Sprösslinge zum Taekwondo. Wenn ich an die Entstehung von Taekwondo denke, denke ich, welchen Mut und welchen starken Kampfgeist hatte General Quing während des Kampfes mit den japanischen Angreifern.

 

Es ist also schon mein 10. Jahr beim Taekwondo. Ich habe mir bestimmte Ziele, die ich erreichen möchte, gesetzt. Der Weg ist das Ziel, und ich laufe gerade meinen Weg zu dem nächsten Zwischenziel. Der nächste Schritt ist meine heutige Prüfung, dann kommt die 1.-Dan-Prüfung und dann... Ich bin gerade 50 (noch). Ich werde weiter hart und mit Spaß an mir arbeiten. Und ich freue mich auf die nächsten spannenden Jahre mit Taekwondo und danke meinem Sahbum-Nim, dass er mich gefördert und soweit gebracht hat. Mein Dank geht auch an alle Kyosah-Nims, die mich auf meinem Weg mit Ihrer Hilfe begleiten.

 

Mein Fazit: Wenn ich jetzt auf meine Taekwondo Geschichte zurückblicke, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich für meine Tochter damals vor 10 Jahren einen guten Sport ausgesucht habe. Was hat Taekwondo mir gegeben? Für mich sehe ich nur positive Entwicklungen: Ich bin gesünder, habe keine Rückenprobleme mehr. Taekwondo ist für mich die beste Stressbewältigung. Meine Belastbarkeit hat sich ebenfalls weiter verbessert. Ich entwickle mich immer und immer weiter, auch wenn ich manchmal größere Schritte machen wollte. Taekwondo plus Yoga plus Meditation sind meine persönlichen Säulen der Gesundheit. Ich bin auf diese Weise entspannter und fitter für den Alltag. Ich hoffe, dass das weiter so bleibt – aber wenn ich unseren Sahbum-Nim Kwon Jae-Hwa sehe, wie fit er ist in seinem Alter, bin ich sehr optimistisch.


Danuta Weyh
Ausarbeitung zur Sicht auf die eigene Kampfkunstgeschichte
Erfahrungsbericht - 2017-04