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Anita Eckardt - Erfahrungsbericht 2017-05

Ein Bericht zur Vorbereitung auf die Prüfung zum 1. Kup von Anita Eckardt


Anita Eckardt - Langjährige Schülerin der Budosport- und Kampfkunstschulen A. Schulze

Tae Kwon-Do und ich – Anita Eckardt

 

Mein erster Versuch war vor ca. 27 Jahren. Ich wohnte noch in Stuttgart. Meine Kinder waren aus dem Gröbsten raus und ich wollte mir einen heimlichen Wunsch erfüllen - einen Kampfsport erlernen.

 

Nach dem ich in meiner Nähe einen Anbieter fand, ging ich vollen Mutes zum Probetraining. Die Halle war sehr voll und fast jedes Alter bis ca. 40 vorhanden. Ich dachte das passt. Nach der Aufwärmphase ging es zum eigentlichen Training über und wir sollten Fauststöße üben. Mir gegenüber stand ein junger Mann, ca. 14 Jahre. Es kam wie es kommen musste, mein Fauststoß landete mit voller Wucht in seiner Magengrube. Er wusste wahrscheinlich nicht, dass man auch dort Muskeln hat, die man lieber anspannt. Resultat – er viel um und schnappte nach Luft. Das war mir so peinlich, dass dies mein letzter Trainingstag in Stuttgart war.

 

Es vergingen einige Jahre. Inzwischen wurde ich schon Großmutter und meine Enkeltochter Lea war 10 Jahre (Sept. 2011). Sie hatte sich schon in 2 Sportarten versucht, aber nicht lange durchgehalten. Auf meine Frage, ob sie denn mit mir gemeinsam etwas trainieren würde, antwortete sie spontan mit ja. Als ich dann sagte, ich möchte dann aber einen Kampfsport machen, fand sie es noch besser. Also stellte ich über das Internet die Frage, Oma und Enkeltochter suchen die Möglichkeit einen Kampfsport zu trainieren. Axel Schulze antwortete und lud uns zum Probetraining ein. Wir dachten, dass schauen wir uns mal an. Als wir um die Ecke zum Trainingsraum kamen, musterte uns ein junger Mann und schmunzelte.  Er rief, ist das die Oma mit ihrer Enkeltochter. Wir mussten lachen. In Jeans und Shirt sollten wir gleich mit trainieren. Da wurde es mir schon etwas lau im Magen. Die Schüler waren alle sehr jung. Axel bemerkte meine Gedanken und meinte, dass ich das beim Trainieren nicht bemerke. Er hatte recht. Wir waren begeistert und das nicht nur vom Sport, sondern auch von den Werten die den Kindern und Jugendlichen vermittelt wurden. Schon nach der nächsten Probestunde meldeten wir uns an.

 

In den ersten Wochen trainierte uns, mit vielen spielerischen Elementen, meist Tom. Es waren fast nur Kinder dabei. Es störte mich nicht. Im Gegenteil, es war sehr lustig und ich freute mich oft, dass meine Ausdauer besser war. Nach wenigen Monaten änderten wir die Trainingstage und gingen oft zu Axel, Jörg und später auch zum Maximilian. Es wurde immer schwieriger. Ich kam körperlich und geistig oft an meine Grenzen. Meine Gelenkigkeit verbesserte sich nicht wirklich und die vielen verschiedenen Bewegungsabläufe konnte ich mir auch nicht merken. Ich dachte mir, dass ich Lea nur bis zum Grüngurt begleite und sie dann alleine weiter trainiert.

 

Es kam anders. Lea trainiert nicht mehr und ich denke nicht ans Aufgeben. Im Gegenteil, wie sehr uns auch der Großmeister oder die anderen Meister striezen, die Trainingsstunden haben sich wie selbstverständlich in meinen Wochenplan geschlichen. Ich werde ganz wuschig, wenn mich irgendwelche Befindlichkeiten daran hindern.

Natürlich blicke ich oft neidisch auf die Jüngeren. Mit welcher Leichtigkeit sie kicken und wie schnell sie die Hyongs lernen. Aber die gemischten Trainingsgruppen, die anheizenden Worte der Trainer und die Kameradschaft der anderen Schüler spornen mich an. Ich bin zwar mit meinen Leistungen nicht immer zufrieden, aber immer öfter.

 

Inzwischen habe ich 6 Jahre Tae Kwon-Do Training hinter mir und so manche Prüfung überstanden. Je höher die Gürtelfarbe umso mehr packt mich der Ehrgeiz und ich habe mir ein festes Ziel gesetzt. Mit 60 den schwarzen Gürtel - das ist in Kürze.

 

Anmerkung: Mein Mann sagt, “immer, wenn Du vom Training kommst, hast Du gute Laune“.


Anita Eckardt
Ausarbeitung zur Sicht auf die eigene Kampfkunstgeschichte
Erfahrungsbericht - 2017-05