· 

Entstehung der Budosport- und Kampfkunstschule Jena

Wie aus einer Idee Wirklichkeit wurde


Als ich 2010 mit dem Bau der heutigen Budosport- und Kampfkunstschule Jena begonnen habe, ahnte ich nicht im Ansatz, zu was dieser Schritt einmal führen würde.

 

Spulen wir etwas zurück: Es existierte schon seit längerer Zeit ein Ableger der Eisenberger Tae Kwon-Do Schule, dem Taekwon-Do Eisenberg e. V., in Jena. Trainiert wurde regelmäßig im Kursraum eines mittelklassigen Fitnessstudios in Jena-Nord. Für eine gewisse Weile war das auch ausreichend. Matthias und Jürgen leisteten sehr gute Arbeit und sorgten für einige hoch motivierte Schüler, wovon einige bis heute bei uns aktiv sind. Für eine Stadt wie Jena mit über 100.000 Einwohnern war die kleine Gruppe aber aus meiner Sicht zu wenig.

 

Meine erste eigene Gruppe in Stadtroda hatte sich zu dem Zeitpunkt zwar sehr gut entwickelt, ich spürte in mir allerdings den Drang nach mehr. Ich wollte mehr Möglichkeiten, mehr Schüler und brauchte damit notwendigerweise auch mehr Einzugsgebiet. Einzig sinnvoll war es nun zu wagen, die Fühler nach Jena auszustrecken. Natürlich wollte ich nicht einfach dorthin poltern und Jürgen und Matthias überrumpeln und ihnen ihre Aufgabe nehmen. Mir schwebte eher eine enge und feste Zusammenarbeit vor.

 

Nachdem in ersten Gesprächen Bereitschaft von allen Seiten bekundet wurde etwas Größeres aus der Gruppe zu machen, ging ich ans Werk. Zunächst übernahm ich das Freitagstraining von Matthias und Jürgen. Da es damals recht spät begann, war es mir möglich, zuerst die Gruppe in Stadtroda mit Unterricht zu versorgen und anschließend nach Jena zu fahren um dort eine weitere Trainingseinheit geben zu können. Auf Dauer war dies allerdings keine praktikable Lösung. Die Zeit zwischen dem Ende des Stadtrodaer und dem Beginn des Jenaer Trainings war so knapp, dass für die eigentliche Fahrt nur sehr wenig Zeit blieb. Es musste also eine andere Lösung her. 

 

Ich sprach mit verschiedenen Schülern und suchte mir einen fähigen raus, der die Freitagsstunden in Stadtroda voll übernehmen würde. Dies verschaffte mir etwas Zeit um mich mehr um die neuen Aufgaben in Jena kümmern zu können. Neben der Übernahme des Trainings galt es auch, neue Räume zu finden – möglichst eigene. Diese waren zu diesem Zeitpunkt dringend notwendig, da wir in der bisherigen Fitnesseinrichtung keine Chance auf andere, bessere Zeiten bekommen haben. Wirklich günstig war das Fitnessstudio auch nicht gelegen. Es war eher Zufall, dass sich immer mal ein paar neue Interessenten zum Mittrainieren eingefunden haben.

Viele haben zu Beginn daran gezweifelt, dass ich in Jena je was Bezahlbares finden würde. Allein der Umstand, dass ich selbst kaum Geld besaß, ließ einen Großteil derer, die von meinen Plänen wussten, an allem Zweifeln. Mir war damals nicht wirklich klar, warum, aber meine Suche dauerte nicht wirklich lange. Über verschiedene Kontakte kam ich zu einer Jenaer Hausverwaltung, die gerade dabei war, Räume eines ehemaligen Schott-Gebäudes zu vermieten. Mir kam es damals so vor, als würden gerade alle ansässigen Firmen aus dem Haus ausziehen. Die Etage, die mir gezeigt und angeboten wurde, war leer. Weit über 2.000 m² leere Industriefläche, lediglich zugebaut mit Trockenbauwänden eines Unternehmens, welches schon während des Baus pleite ging. Schön war sicher was anderes, und die Begeisterung der von mir hinzugezogenen Mitglieder hielt sich in Grenzen. Trotzdem, ich fühlte mich beim Betrachten der Räume irgendwie wohl. Es war eine Bauruine. Es sei zu aufwendig oder zu ungeeignet, tönte es an mehreren Stellen. Mir jedoch gefiel, was sich sah. Ich konnte mir bildlich vorstellen, was man aus dem Ganzen machen könnte. 

 

Nachdem die Besichtigung beendet wurde, habe ich mich mit der Hausverwaltung über den Preis unterhalten. Aufgrund der Tatsache, dass es sich tatsächlich um eine Bauruine handelte und der österreichische Hauseigentümer zudem kurz vor der kompletten Pleite stand, wurde mir ein Preis je Quadratmeter genannt, den man so in Jena sicher kein zweites Mal finden und bekommen würde. Ohne groß zu zögern steckte ich den Bereich ab, den ich haben wollte, und unterschrieb kurze Zeit später einen 5-Jahres-Vertrag mit weiteren 2 x 5 Jahren Optionsrecht – es könnte ja gut laufen.

Der Umbau verlangte einiges ab. Um einen Kredit zu erhalten, welcher den Umbau finanzieren würde, musste ich Sicherheiten hinterlegen – welche ich damals nicht hatte. Mein Glück war es, dass ich damals an einer Grundschule tätig war und erst kurz zuvor die Möglichkeit bekommen hatte, mich dort als Erzieher fest anstellen zu lassen. Mit dem Nachweis in der Hand, im Öffentlichen Dienst tätig zu sein, war es nur noch eine Formalie, den benötigten Kredit zu bekommen – es handelte sich hier um ca. 25.000 Euro – daran kann man erkennen, wie pleite ich damals eigentlich war. Egal, ich bekam das Geld und konnte loslegen.

Mein Vater kümmerte sich damals um den Trockenbau, Matthias um die Elektronik. Jörg und Tom werkelten gemeinsam mit mir an allen anderen Stellen in der Schule. Zusätzlich konnten wir auf tatkräftige Unterstützung verschiedener Mitglieder zurückgreifen. Externe Hilfe wurde lediglich für das Verlegen der Fliesen geholt. In Rekordzeit wurde aus der ehemaligen Bauruine die Grundstruktur einer Kampfkunstschule geschaffen. Hintergrund hierfür war auch der gekündigte Mietvertrag und der damit bevorstehende Verlust von Trainingsräumen. Die Zeit saß uns also im Nacken.

 

Nach einigen Wochen war dann aber alles soweit fertig, dass wir zum ersten Training in eigenen Räumen und auf nagelneuen Matten laden konnten. Geleitet wurde der erste Unterricht damals von meinem Meister. Das war schon irgendwie cool. Es war alles noch im Bau und trotzdem trainierten wir auf einmal in eigenen Räumen. Teilweise fehlte noch Licht. An Einrichtung war zu dem Zeitpunkt auch noch nicht zu denken.

Nach und nach wurde weiter gebaut und eingerichtet. Zuerst wurde der große Trainingsraum, dann der Eingangsbereich, die Umkleiden, das WC und zum Ende des ersten Bauabschnitts auch Teile des Flurs fertiggestellt. Der kleine Trainingsraum diente noch eine ganze Weile, sicher über ein Jahr, als Müll- und Schutthalde. Alles wurde soweit hergerichtet, wie es das Geld zugelassen hat. Zusätzlich zum Kredit steckte ich damals so ziemlich alles, was ich über die Grundschule verdiente, in die neue Trainingsstätte – und das war mit der 50-%-Anstellung nicht wirklich viel.

 

Nach der groben Fertigstellung ging es darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Es wurden tausende Flyer verteilt und etliche Probestunden absolviert. Nach einer Weile kamen immer mehr Interessenten und schließlich auch neue Mitglieder hinzu. Der Trainingsplan musste recht schnell erweitert werden, um zusätzliche Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Eine Aufteilung des Unterrichts auf mehrere Leiter unterstützte damals das Wachstum der Schule und entlastete zugleich mich. Auch nach Fertigstellung der Bauarbeiten war ich noch verantwortlich für Stadtroda und große Teile von Eisenberg. Ich pendelte von einem Standort zum anderen und versuchte alles am Laufen zu halten. Unterstützung erhielt ich dabei von zahlreichen Mitgliedern. Der ganze Aufbau der Jenaer Schule fiel in eine Zeit, die für das Kwon, Jae-Hwa Tae Kwon-Do in Thüringen nicht einfach war. Im selben Zeitraum trennte ich mich, gemeinsam mit der gesamten Tae Kwon-Do Schule Eisenberg, meiner Gruppe in Stadtroda und der neuen Jenaer Schule, von meinem Meister. Zu viele Unstimmigkeiten hatten ein normales Weitermachen unmöglich gemacht.

Gruppenfoto mit über 70 Teilnehmern zur offiziellen Eröffnung der Budosport- und Kampfkunstschule Jena mit Großmeister Kwon, Jae-Hwa

Besonders gefreut habe ich mich damals darüber, dass Großmeister Kwon, der mich nach der Trennung von meinem Meister sofort aufgenommen hatte, persönlich die offizielle Eröffnung der neuen Schule übernahm. Es war beeindruckend, wie damals ca. 80 Aktive an der Veranstaltung teilnahmen. Heute ist es nur schwer nachzuvollziehen, wie alle in den Trainingsraum gepasst haben. Jörg und Jens haben damals zudem Prüfungen zum 2. und 1. Dan abgelegt. Bis heute war das die Veranstaltung mit den meisten aktiven Teilnehmern, die gleichzeitig im großen Trainingsraum trainiert haben. Sicher ist so etwas auch nur zu einer Schulneueröffnung schön. Für das regelmäßige Training wären selbst die Hälfte schon zu viel. Die Bilder der Schuleröffnung können über folgenden Link abgerufen werden: Schuleröffnung in Jena

Budosport- und Kampfkunstschule Jena (Karate, Taekwondo, Kickboxen, Fitnesstraining)

Die Budosport- und Kampfkunstschule Jena zählt heute zu einer der professionellsten und am besten ausgestatteten Kampfkunstschulen der Region, mit einem sehr hohen gesellschaftlichen Ansehen. 2015 erfolgte eine grundhafte Renovierung und Erweiterung. Allein diese Maßnahme hat mit 30.000 Euro mehr gekostet als der Aufbau selbst. Hinzu kam die Erneuerung des Mietvertrages auf 10 weitere Jahre. Ein Optionsrecht mit noch einmal 5 Jahren soll auch die Zeit danach absichern.

 

Ich freue mich auf das, was die Zukunft bringen wird. Viel wurde geleistet und erreicht. Vieles liegt noch vor uns. Weimar wird ein weiteres Kapitel in dieser Geschichte schreiben. Ein großes Ziel (bis 2020) sind 500 Mitglieder in den Budosport- und Kampfkunstschulen A. Schulze – im BUDOSPORT.CLUB 

Entstehung der Budosport- und Kampfkunstschule Jena