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Darf Kampfkunsttraining kosten?

Warum kosten Privatschulen mehr als Vereine?

Ein Artikel von Axel Schulze Kampfkunstlehrer, Erfolgs- und Motivationscoach (mycoaching.club) mit über 20 Jahren Kampfkunsterfahrung sowie Experte im Bereich der Kindererziehung mit über 12 Jahren praktischer Erfahrung, davon 7 Jahre im aktiven Grundschuldienst. Zusatzqualifikation: Gewalt- und Präventionstrainer - Diplom (Bundesverband Gewaltprävention e. V.)


Geiz ist nicht mehr geil - auch nicht im Sport!

Ein heutiger Kommentar auf Facebook zu einer von mir geschalteten Werbeanzeige für meine Kampfsportschulen veranlasst mich, an dieser Stelle aufzuklären warum gute Kampfkunstschulen nicht billig sein können.

Geiz ist nicht mehr geil - auch nicht im (Kampf-)Sport - BUDOSPORT.CLUB
Foto: pixabay.com

Ausgangspunkt ist die Aussage eines Lesers, dass das Angebot vielleicht ganz gut sei, mit einem Basistarif in Höhe von 69 Euro monatlich aber eher das Geldverdienen im Vordergrund steht. Eine Ferneinschätzung, ohne je einen Schritt in meine Schulen gesetzt oder gar an einem der angebotenen Programme teilgenommen zu haben. Ok, dies steht natürlich jedem frei. Auch ich lasse mich gelegentlich zu solchen Überlegungen – teils in anderen Bereichen – hinreißen.

 

Betrachten wir aber nun mal die Lage. Es gibt im Grunde zwei Gruppen von Kampfkunstschulen. Das sind zum einen die Vereine und zum anderen die privaten Anbieter – wie ich. Wirtschaftlich betrachtet streben beide Rechtsformen völlig unterschiedliche Ziele an. Der Verein, oft gemeinnützig, arbeitet mit keiner vordergründigen Gewinnabsicht. Er kalkuliert so, dass es am Ende des Monats gerade so für alles reicht und keine unnötigen Überschüsse erwirtschaftet werden. Denn diese müssen immer zum Wohle aller Mitglieder aufgelöst werden. Neue Trainingsausrüstung wird eher selten angeschafft. Trainer arbeiten oft ehrenamtlich oder auf Basis der Übungsleiterpauschale von derzeit höchstens 200 Euro im Monat. Vorteil für die meisten Vereine ist zudem die Befreiung von der Umsatzsteuer sowie die Möglichkeit Spenden und sonstige Förderungen zu erhalten und auch zu bescheinigen. Private Anbieter müssen anders denken. Ein Großteil der am Markt befindlichen Kampfkunstschulen sind (noch) nicht umsatzsteuerbefreit und müssen von jedem Beitrag erst einmal 19 % für das Finanzamt abziehen. Aus den 69 Euro Basisbeitrag werden damit 57,98 Euro. Ein Minus von 11,02 Euro. Da es für Gewerbebetriebe keine Übungsleiterpauschalen oder Ähnliches gibt, müssen Mitarbeiter fest eingestellt werden. Hier fallen schnell deutlich höhere Kosten als bei Vereinen an. Selbst eher geringverdienende Trainer (bei uns mindestens 10 Euro je Stunde) ziehen hier zusätzliche Kosten im Bereich der Sozialabgaben nach sich. Vereine brauchen diese nicht berechnen, da sie ja bis 200 Euro pro Monat davon freigestellt sind – je Trainer. Es ist recht leicht zu erkennen, dass für private Schulen bereits im Bereich der Trainervergütung andere Kosten entstehen als bei Vereinen. In den meisten anderen Bereichen sieht es nicht anders aus.

 

Ein Vorteil der privaten Schulen ist, dass der Eigentümer meist davon lebt – es ist also sein Job, seine Lebensgrundlage. Diese Tatsache ist meist der Grund, warum private Schulen qualitativ höherwertiger arbeiten als Vereine. Sie müssen es. Ein Wegfall von Mitgliedern wirkt sich schließlich direkt auf das Konto des Schulinhabers aus. Langfristig betrachtet, will auch ein Kampfkunstmeister irgendwann einmal eine angemessene Rente beziehen können. Auf die Gutmütigkeit seiner Schüler, ihn in alten Tagen mal aufzunehmen, braucht er sicher nicht hoffen. Er wird daher immer bestrebt sein eine möglichst marktführende Position in seinem Bereich einzunehmen.

 

Natürlich wird man mit höheren Beiträgen auch immer einen gewissen Personenkreis ausschließen. Finanziell ungefestigte Haushalte werden sich eine Privatschule meist nicht leisten. Dies liegt allerdings meist am persönlichen Budget und nicht an der Qualität der Schule. Eine häufige Aussage dieser Personengruppen ist dann – meist zum Selbstschutz – dass der Betreiber nur Geld scheffeln möchte. Bravo! Richtig erkannt. Natürlich möchte er das! Aus genau diesem Grund gehen ja auch andere Leute arbeiten – um Geld zu verdienen. Woher die Ächtung in diesem Bereich kommt, ist mir schleierhaft.

 

Ich stecke sehr viel Zeit in meine Schulen – teils deutlich über 100 Stunden pro Woche. Als Schulleiter und Schulbetreiber habe ich Investitionen im sechsstelligen Bereich getätigt und dadurch Risiken in Kauf genommen, bei denen den meisten schwindelig werden würde. Ein Großteil unserer Gesellschaft würde nicht einmal für die Hälfte der Summe auch nur einen Bruchteil des Risikos eingehen – meckert aber dann, wenn man unterm Strich einen gewissen Ausgleich haben möchte. Diese Investitionen flossen in verschiedenste professionelle Umbaumaßnahmen, in die sehr hochwertige Ausstattung sowie in die persönliche Weiter- und Ausbildung von mir und meinem Team. 

 

Betrachten wir einmal das, was meinen Mitgliedern geboten wird. Schon für den Basistarif (69 Euro pro Monat) können sie frei bei mir trainieren. Es gibt keine wirkliche Stundenbegrenzung. Sie dürfen kommen, wann sie wollen und alles nutzen, was in der Schule zum Training zur Verfügung steht. Dazu gehört auch die umfangreiche Trainingsausrüstung (Mattenboden, Spiegelwände, Boxsäcke, Schlagpolster in allen Variationen,...). Sie erhalten persönliche Betreuung und einen genauen Plan, der ihr zuverlässiges Vorwärtskommen quasi garantiert. Sie können an geführten Stunden teilnehmen oder auch frei für sich trainieren. Die Ergebnisse des Trainings sind für Neueinsteiger bereits nach drei bis vier Wochen deutlich spürbar. Eine Unterbrechung während der Ferien gibt es nur sehr selten. Sie können sich fest darauf verlassen, dass sie jedes Training– egal ob von mir oder einem meiner Mitarbeiter geführt - weiterbringen wird. Kinder werden körperlich, persönlich und auch schulisch deutlich gestärkt und leistungsfähiger. Studenten erhalten den Ausgleich zum Studium, der dringend notwendig ist, um gute Leistungen zu erzielen. Gleiches gilt auch für Berufstätige aller Bereiche. Das zusätzliche soziale Netzwerk, welches sich innerhalb meiner Schulen immer bildet, bereichert zusätzlich das Leben der meisten meiner Mitglieder.

 

Ich selbst komme ursprünglich aus einem Verein, der 24 Euro im Monat verlangte. Für die damalige Zeit (1997) war das schon ein ordentlicher Preis für diese Art von Sport. Über viele Jahre hinweg habe ich einen ähnlichen Beitrag für mein Training genommen, teilweise aber auch völlig kostenfreien Unterricht an Schulen angeboten. Mir sind somit beide Seiten gut bekannt. Den Verein, in dem ich angefangen habe, leite ich heute noch als 1. Vorsitzender. Was ich in all den Jahren herausgefunden habe, ist, dass ein günstiger Beitrag keine zufriedeneren Mitglieder oder mehr Interessenten garantiert. Oft war sogar das völlige Gegenteil der Fall. Man hatte mit zahlreichen Rücklastschriften zu kämpfen, Mitglieder kamen nur sehr selten (der finanzielle Druck fehlte) und die Eltern von Kindern hatten nur wenig Interesse an dem, was ich in meinen Stunden machte. Mit steigenden Preisen änderte sich dies deutlich. Mitglieder kamen regelmäßiger zum Training, Eltern interessierten sich für die Stundeninhalte und neue Interessenten stellten umfangreichere Fragen. Was weniger wurde, waren Rücklastschriften von Beitragszahlungen und ein ganz bestimmter Personenkreis, den man rückblickend aber gar nicht bei sich in der Schule haben möchte. Heute stehen meine Schulen für sehr hohe Qualität und Zuverlässigkeit zu einem angemessenen und fairen Preis.

 

Natürlich gibt es viele günstigere Anbieter - auch in meiner näheren Umgebung. Diese müssen es aber oft auch sein...

Nachtrag vom 25.08.2018

Bei der obigen Betrachtungsweise ist natürlich zu berücksichtigen, dass es auf beiden Seiten sowohl positive als auch negative Beispiele gibt. Ich kenne private Schulen die den eingangs gebrachten Kritiken völlig gerecht werden. Diese Schulen haben kaum einen Cent in die Ausstattung und Pflege ihrer Räume, geschweige denn in qualifizierte Trainerfortbildung gesteckt. Die Schulleiter selbst sahen die Beiträge der Mitglieder als Mittel an, ihren Luxus zu finanzieren. Bei diesen Schulen war es meist so, dass der Schulleiter einem normalen Hauptjob nachging. Er lebte also nur zum Teil von seiner Arbeit in der Schule. Für ihn war der Druck, gut arbeiten zu müssen und für eine angemessene Qualität zu sorgen viel geringer als für Vollzeitschulleiter. Ein Großteil dieser mir bekannten Schulen sind mittlerweile in der Bedeutungslosigkeit oder gar ganz verschwunden. Der Markt hat hier selbst für Ordnung gesorgt.

 

Im Gegenzug habe ich auch Vereine erlebt, die vorbildlich arbeiten, hervorragende Trainer ausbilden und stets bemüht sind ihren Mitgliedern ein rundes Komplettpaket zu bieten. Tendenziell ist es allerdings schon so, dass dies eher die Ausnahmen waren und die privaten Anbieter im gesamten besser und professioneller aufgestellt sind als Vereine. Dies bedingt einfach die Tatsache, dass die einen davon leben und die anderen nicht.

 

Um diesen Artikel weiter zu vervollständigen, folgt eine Übersicht über Vor- und Nachteile von Vereinen und Privatschulen. Anhand dieser Übersicht sollte schnell klar werden, warum private Schulen am Ende doch meist vorn liegen (müssen).

Vereine


Vorteile
  • Umsatzsteuerbefreiung auf (echte) Mitgliedsbeiträge bei Nachweis der Gemeinnützigkeit.
  • Bis zu 200 Euro sozialabgabenfreie, monatliche Ausschüttung an Trainer und sonst. Hilfskräfte
  • Erleichterte staatliche Förderung.
  • Zugriff auf Lottomittel.
  • Empfang und Bescheinigung von Spenden
  • Pauschalversicherungen in verschiedenen Bereichen für den Vorstand und die Mitglieder über die Landessportbünde.
  • Das unternehmerische Risiko lastet verteilt auf dem Vorstand, nicht auf einer Person.
  • Die Einnahmen (ideeller/zweckmäßiger Bereich) des Vereins sowie dessen Vermögen unterliegen, bei ordnungsgemäßer Führung, keiner Nachbesteuerung (Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, …)

Nachteile

  • Die Gemeinnützigkeit wird alle 3 Jahre vom Finanzamt geprüft - rückwirkend. Sollte es zu Unregelmäßigkeiten kommen oder der Satzungszweck verfehlt werden, kann diese aberkannt werden - ebenfalls rückwirkend. Passiert dies, muss mit sehr hohen Steuernachzahlungen gerechnet werden. Das Todesurteil für viele Vereine.
  • Langsame und oft veraltete Strukturen innerhalb eines Vereins können diesen stark ausbremsen. Eine schnelle Reaktion auf neue Trends ist kaum möglich.
  • Die Satzung des Vereins setzt grenzen, in denen sich ein Verein bewegen darf. Meist sind die so eng gefasst, dass eine Weiterentwicklung nicht möglich ist.
  • Mitglieder haben in Bereichen Macht, von denen sie oft nicht viel verstehen. Gerade im Bereich der Finanzen arbeiten viele Vereine zu defensiv.
  • Größere Ausgaben benötigen fast immer die Zustimmung des Vorstandes, oder gar aller Mitglieder.

Privatschulen


Vorteile
  • Die Gewinnabsicht des Schulbetreibers sowie das auf ihm lastende unternehmerische Risiko können dafür sorgen, dass sich eine Privatschule ständig weiterentwickelt.
  • Betriebsausgaben können steuerlich geltend gemacht werden.
  • Privatschulen sind in ihrer Tätigkeit völlig frei. Investitionen können in jedem Umfang getätigt werden. Eine Zustimmung der Mitglieder oder eines Vorstandes ist nicht notwendig.
  • Dem Schulbetreiber stehen die Einnahmen, die durch seine Arbeit, bzw. die Arbeit seines Teams, erwirtschaftet werden voll zur Verfügung.
Nachteile
  • Die Umsatzsteuerbefreiung auf Beiträge ist nur über Umwege und mit sehr viel Überzeugungsarbeit möglich. An dieser Stelle müssen viele Schulen ordentlich tricksen.
  • Das unternehmerische Risiko lastet auf dem Schulbetreiber.
  • Versicherungen für verschiedene Bereiche sind meist sehr kostspielig - vor allem Spezialversicherungen.
  • Förderungen können meist nur über Geldhäuser/Banken in Form von vergünstigten Krediten in Anspruch genommen werden.
  • Spenden und sonstige Zuwendungen können nicht steuerfrei angenommen oder gar bescheinigt werden.
  • Einnahmen müssen nachträglich weiter versteuert werden (Einkommenssteuer, ggf. Gewerbesteuer, …)

Sollten bei dieser Gegenüberstellung wichtige Punkte fehlen, bitte ich um Information. Ich arbeite diese dann umgehend mit ein.


Darf Kampfkunst kosten? - Geiz ist nicht mehr Geil - auch nicht im Sport!

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Lachmuth (Freitag, 24 August 2018 23:13)

    Super ! Verstaendlich geschrieben und beschreibt genau die Punkte zwischen Verein und Schule !