Erfahrungsberichte unserer Mitglieder

Die Nachfolgenden Erfahrungsberichte wurden uns von unseren Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Sie beinhalten deren Sicht auf ihre bisherige Kampfkunst-Geschichte.

"Der Weg, wie das Leben, ist kein Wettbewerb. Nie übertreiben wollen, dein Körper würde dir bald die Rechnung vorlegen. Beobachten, betrachten, stehen bleiben, genießen. Das ist es, was der Weg dich lehren wird." Spruch in einer Pilgerherberge


Wochentags, abends nach 18:00 Uhr. Meine Sportfreunde und ich schwitzen mit hochrotem Kopf. Liegestütze. Der Meister zählt: Eins, zwei, drei, …- tiefer - zehn, elf, … - Hintern runter! - …. 18, 19… Warum tue ich mir das an? Die Nachbarn sitzen jetzt vor der Glotze und trinken ihr Weinchen. 20, 21…  ehrmals die Woche nach der Arbeit gehe ich nicht heim, sondern zum Sport, in die Kampfkunstschule. Oft suche ich vor dem Weg dorthin nach Gründen, nicht zu gehen. Und dann gehe ich doch! Ich weiß, dass ich mich danach besser fühle, den Kopf frei habe und bessere Laune habe. Seit fast neun Jahren mache ich das jetzt. Der letzte Text ist jetzt 6 Jahre und einige Gürtelprüfungen her. inzwischen trage ich den roten Gürtel. Ich kann es selbst kaum glauben. Wie kam das alles?

Als ich anfing mit dem Taekwondo, wollte ich Sport treiben. Das tue ich auch. Und nicht zu knapp. Dabei gerate ich immer wieder an meine Grenzen. Und immer wieder versuche ich diese Grenzen ein Stück weiter zu schieben. Nach fünf Jahren regelmäßigem Training waren meine Rückenschmerzen fast ganz weg. Und das jahrelange Beckenbodentraining war nun endlich erfolgreich geworden und das ganz nebenbei. Wir haben viele gute Bekanntschaften gemacht durch den Sport. Wir hatten tolle Erlebnisse. Wir trafen Meister Kwon und andere Meister, die Eindruck hinterließen.  Und langsam wurde aus dem Sport die Kunst.

Ich wollte nicht mehr nur Sport machen. Jetzt hat es mich gepackt, nun marschiere ich auf den Black Belt zu. So als nächstes Ziel. Es ist mir ein Bedürfnis geworden, meine Hyongs zu laufen oder die eine oder andere Kombination aus dem Training. Auch daheim oder im Urlaub. Und wenn abends im Kopf die Gedanken kreisen, laufe ich die Hyongs halt im Kopf. Ist viiiel besser als Schäfchen zählen, die laufen eh immer durcheinander.

Wenn ich aus irgendeinem Grund mal ne Weile nicht zum Training gehen kann, fehlt mir was. Es fehlt die Bewegung, es fehlen die Sportfreunde, die Atmosphäre... Die Stunden auf der Matte mit den anderen geben Kraft. Auch wenn das paradox klingt, denn nach diesen Stunden bin ich stets völlig kraftlos und müde am Körper, aber frisch und erholt im Geist. Und trotzdem frage ich mich oft, warum ich das tue. Oder besser, werde ich gefragt. In meinem Alter müsste ich das doch nicht und abnehmen müsste ich doch auch nicht.

Nein, ich muss nicht abnehmen. Und ich muss auch nicht mehrmals die Woche abends in einer schlecht gelüfteten Halle mit zahlreichen feucht müffelnden Kindern und Erwachsenen rumtoben und völlig außer Puste meine körperlichen Grenzen ausloten. Aber ich will es! Ich will sehen, was ich kann. Mein Körper versucht mich auszutricksen, es tut da und dort weh. Aber ohne den Sport tut mehr weh. Und der Umgang mit den jungen Leuten tut gut und hält frisch. Zu sehen, was die Jungen können, spornt an. Zu sehen, was sie nicht können, erdet. Große Sprünge mach ich nicht mehr. Doch wo steht geschrieben, dass ein Meister hoch und weit springen muss? Sollte ein Meister nicht auch seinem Körper und seiner Gesundheit mit Respekt begegnen? Grenzen ausloten ist toll und muss sein. Aber wirkliche Grenzen akzeptieren ist notwendig und zumindest für mich im mehrfachen Sinne oft schmerzhaft.

Mein Ziel ist vorerst der Schwarzgurt. Der Weg dahin ist noch lang. Es heißt für mich nicht nur die Hyongs zu beherrschen und die anderen sportlichen Übungen, die dazu gehören. Es heißt für mich vor allem, meinen Körper zu beherrschen und meinen inneren Schweinhund zu meinem Begleithund abzurichten. Der ist nämlich eigentlich eher Bluthund. Mein Ziel ist aber nicht, mein Leben nur nach dem Taekwondo auszurichten. Das Taekwondo ist Teil meines Lebens. Genauso wie die Arbeit, die Familie und ein paar andere Dinge, die zusammen das Leben erst lebenswert machen. Mein eigentliches Ziel ist es, auch in fünf oder zehn Jahren meinen Körper noch zu beherrschen und mich nicht beherrschen zu lassen. Mein Ziel ist es, der Meister in meinem Leben zu bleiben. Das Taekwondo ist ein Teil dieses.

Erfahrungsbericht von Tobia Teich 

Vor sieben Jahren, es war damals an der Grundschule Ost in Eisenberg, wurde ich mit etwas konfrontiert, was bis dahin eine Art Mythos für mich war. Es wurden Flyer ausgeteilt mit der Überschrift „Taekwondo, koreanisches Karate“. Kampfkunst hat schon immer eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, doch eine Vorstellung, was es genau bedeutet, neben akrobatischen Kicks und kaputtmachen von Steinen hatte ich nicht. Ich nahm nun also teil an den Trainingseinheiten in der Turnhalle der Grundschule und schon bald war klar, es ist hart, sehr hart, aber darin liegt der Reiz. Eine Sache, an welche ich mich genau erinnere, ist, wie damals noch Meister Axel Schulze, uns ein Spagat vorführte und keiner von uns es annähernd nachmachen konnte. Dies und die hohen Kicks, die oftmals komplizierten Techniken und das ganze besondere Drumherum faszinierten mich von Anfang an und brachten mich zu der Erkenntnis, ja diesem Sport will ich ernsthafter nachgehen.

Nun war ich also angemeldet in der Taekwondo Schule, damals noch an anderem Standpunkt und das Trainieren ging los. Am Anfang hatte ich große Probleme, das Training körperlich, aber auch mental durchzuziehen. Die vielen verschiedenen Techniken forderten mich sehr, doch als ich damals die vielen anderen Schüler vor mir stehend sah, wusste ich, wo ich hin wollte. Ich trainierte hart und mit viel Arbeit und Training ging es: Techniken wurden genauer, Kicks höher und neue Hyongs wurden erlernt und gefestigt. Ohne es selber wirklich zu wissen, arbeitete ich mich vor und dies ist ein Prozess, der seit über sieben Jahren kontinuierlich vonstattengeht. Doch diese Jahre Training waren nicht immer gleich.

Von der anfänglich überschwänglichem Motivation, zu kontinuierlichen trainieren und dann aber auch zu einer Phase der Demotivation und die Gedanken an das Aufgeben des Sportes. Doch ich habe es nie gemacht. Nun, beim Schreiben dieses Textes denke ich genau darüber nach, warum nicht und es ist eine einfache Antwort: Taekwondo ist mehr als ein einfaches Hobby oder ein Sport, es ist eine Lebenseinstellung. Es gehört einfach mehr dazu, durch Taekwondo habe ich einen völlig neuen Freundeskreis aufgebaut, mich körperlich und mental gestärkt und dies merke ich vor allem in Phasen, in denen ich wenig oder gar nicht für einen längeren Zeitraum beim Training war. Irgendwann, früher oder später juckt es mich wieder in den Fingern: Ich muss zum Training. Dort merke ich dann schnell, dass ich lange nicht mehr da war. Man bekommt dann einen Kommentar der Freunde und ist körperlich auch nicht mehr auf dem Level, auf dem man mal war. Genau diese Erkenntnis motiviert mich dann wieder. Doch das zeigt mir nicht nur, dass Taekwondo mich körperlich stark macht, sondern auch, dass es ein Teil meines Lebens geworden ist, der mir so viele weitere positive Aspekte bringt. Es macht mich ausgeglichener, hat mir beigebracht, respektvoll umzugehen mit meinen Mitmenschen und das Training ist eine feste Konstante meines Lebens geworden. Diese möchte ich nicht mehr missen müssen.

Ich habe den Ansporn im Taekwondo immer besser zu werden und dabei habe ich noch viele Ziele zu erreichen, beispielsweise den eingangs erwähnten Spagat perfekt zu können (was ich wohl nie ganz können werde) oder einen 540 Grad Kick sicher durchführen zu können. Doch deswegen mache ich weiter. Ich habe noch viel zu erlernen und meine selbst gesteckten Ziele, die sich im Laufe der Jahre immer wieder veränderten, zu erreichen und zu übertreffen. Deswegen wählte ich diesen Weg vor einer halben Ewigkeit, wie es mir erscheint und ich habe es nie.

Erfahrungsbericht von Aaron Kaebitz 

Alle Kraft des Menschen wird erworben durch Kampf mit sich selbst und Überwindung seiner selbst" Johann Gottlieb Fichte


Wie bin ich dazu gekommen?
Seit Anfang 2009 trainiere ich Tae Kwon-Do. Ich war nach der Schule/Ausbildung auf der Suche nach einem sportlichen Ausgleich. Seit meiner Grundschulzeit war ich an der Kampfkunst interessiert. Auch damals wollte ich schon in diese Richtung gehen. Aus gesundheitlichen Aspekten war es mir damals jedoch nicht möglich. Dann war ich volljährig und konnte diese Entscheidung nun für mich allein treffen. Und das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Da ich nicht allein gehen wollte, habe ich eine Freundin überredet, mich zu begleiten. Schnell habe ich mich in dem Kreis der Mittrainierenden wohlgefühlt. Und das soll was heißen: Ich bin nicht gerade der Mensch, der sich schnell an neue Situationen gewöhnt oder gut auf andere zugehen kann. Aber diese Hürde wurde mir genommen. Ich wurde super aufgenommen und integriert. Mir wurde von Anfang an bei schwierigen Übungen geholfen, sowohl vor, als auch nach der Stunde. So begann die Zeit, in der das Tae Kwon-Do einer der wichtigsten Pfeiler in meinem Leben wurde ...

Was bringt mir das Tae Kwon-Do?
Ich habe in den letzten Jahren über das Tae Kwon-Do sehr viele tolle Menschen kennengelernt. Sowohl Meister, Trainer und auch Mittrainierende. Ich habe auch sehr viel über mich und das Überwinden meiner Grenzen gelernt. Dafür bin ich sehr dankbar. Das Tae Kwon-Do hat mir Selbstvertrauen, Stärke, Willenskraft, gesundheitliche Stabilität und Durchsetzungsvermögen gegeben. Selbstverständlich gab es auch Tiefen zu überwinden. Es gab die Zeit, in der ich an allem zweifelte und alles infrage gestellte habe. Und das war wohl der wichtigste Moment in den ganzen Jahren meiner Tae Kwon-Do Zeit. Als scheinbar die Entscheidung getroffen war, mit Tae Kwon-Do aufzuhören, habe ich gemerkt: ICH KANN NICHT OHNE! Manchmal braucht man genau diese Momente im Leben, um zu wissen, was einem wichtig ist ... Seitdem bin ich wieder mit voller Motivation beim Training und bin damit auch überglücklich. Dienstag und Freitag ist jede Woche im Kalender fest für Training verplant. Und das ist auch gut so.

Wo will ich hin?
Mir wurde in den letzten Wochen des Öfteren die Möglichkeit gegeben, das Training in Stadtroda zu geben. Das hat mir bisher sehr viel Spaß gemacht und ich freute mich über positives Feedback. Natürlich muss ich dabei noch viel lernen und Erfahrungen sammeln. Mein Ziel ist es, mich dabei in nächster Zeit noch weiterentwickeln zu können. Natürlich möchte ich meine Schwarzgurt-Prüfung bestmöglich ablegen, um meine eigenen Erwartungen erfüllen zu können. Mir ist es wichtig, auch später nicht auf der Stelle zu treten. Ich möchte mich kontinuierlich weiterentwickeln und meine Fähigkeiten ausbauen.

"Immer, wenn Du vom Training kommst, hast Du gute Laune" Ehemann von Anita


Mein erster Versuch war vor ca. 27 Jahren. Ich wohnte noch in Stuttgart. Meine Kinder waren aus dem Gröbsten raus und ich wollte mir einen heimlichen Wunsch erfüllen - einen Kampfsport erlernen.

Nach dem ich in meiner Nähe einen Anbieter fand, ging ich vollen Mutes zum Probetraining. Die Halle war sehr voll und fast jedes Alter bis ca. 40 vorhanden. Ich dachte das passt. Nach der Aufwärmphase ging es zum eigentlichen Training über und wir sollten Fauststöße üben. Mir gegenüber stand ein junger Mann, ca. 14 Jahre. Es kam wie es kommen musste, mein Fauststoß landete mit voller Wucht in seiner Magengrube. Er wusste wahrscheinlich nicht, dass man auch dort Muskeln hat, die man lieber anspannt. Resultat – er viel um und schnappte nach Luft. Das war mir so peinlich, dass dies mein letzter Trainingstag in Stuttgart war.

Es vergingen einige Jahre. Inzwischen wurde ich schon Großmutter und meine Enkeltochter Lea war 10 Jahre (Sept. 2011). Sie hatte sich schon in 2 Sportarten versucht, aber nicht lange durchgehalten. Auf meine Frage, ob sie denn mit mir gemeinsam etwas trainieren würde, antwortete sie spontan mit ja. Als ich dann sagte, ich möchte dann aber einen Kampfsport machen, fand sie es noch besser. Also stellte ich über das Internet die Frage, Oma und Enkeltochter suchen die Möglichkeit einen Kampfsport zu trainieren. Axel Schulze antwortete und lud uns zum Probetraining ein. Wir dachten, dass schauen wir uns mal an. Als wir um die Ecke zum Trainingsraum kamen, musterte uns ein junger Mann und schmunzelte.  Er rief, ist das die Oma mit ihrer Enkeltochter. Wir mussten lachen. In Jeans und Shirt sollten wir gleich mit trainieren. Da wurde es mir schon etwas lau im Magen. Die Schüler waren alle sehr jung. Axel bemerkte meine Gedanken und meinte, dass ich das beim Trainieren nicht bemerke. Er hatte recht. Wir waren begeistert und das nicht nur vom Sport, sondern auch von den Werten die den Kindern und Jugendlichen vermittelt wurden. Schon nach der nächsten Probestunde meldeten wir uns an.

In den ersten Wochen trainierte uns, mit vielen spielerischen Elementen, meist Tom. Es waren fast nur Kinder dabei. Es störte mich nicht. Im Gegenteil, es war sehr lustig und ich freute mich oft, dass meine Ausdauer besser war. Nach wenigen Monaten änderten wir die Trainingstage und gingen oft zu Axel, Jörg und später auch zum Maximilian. Es wurde immer schwieriger. Ich kam körperlich und geistig oft an meine Grenzen. Meine Gelenkigkeit verbesserte sich nicht wirklich und die vielen verschiedenen Bewegungsabläufe konnte ich mir auch nicht merken. Ich dachte mir, dass ich Lea nur bis zum Grüngurt begleite und sie dann alleine weiter trainiert.

Es kam anders. Lea trainiert nicht mehr und ich denke nicht ans Aufgeben. Im Gegenteil, wie sehr uns auch der Großmeister oder die anderen Meister striezen, die Trainingsstunden haben sich wie selbstverständlich in meinen Wochenplan geschlichen. Ich werde ganz wuschig, wenn mich irgendwelche Befindlichkeiten daran hindern.
Natürlich blicke ich oft neidisch auf die Jüngeren. Mit welcher Leichtigkeit sie kicken und wie schnell sie die Hyongs lernen. Aber die gemischten Trainingsgruppen, die anheizenden Worte der Trainer und die Kameradschaft der anderen Schüler spornen mich an. Ich bin zwar mit meinen Leistungen nicht immer zufrieden, aber immer öfter.

Inzwischen habe ich 6 Jahre Tae Kwon-Do Training hinter mir und so manche Prüfung überstanden. Je höher die Gürtelfarbe umso mehr packt mich der Ehrgeiz und ich habe mir ein festes Ziel gesetzt. Mit 60 den schwarzen Gürtel - das ist in Kürze.

Erfahrungsbericht von Anita Eckardt

Wie hat mein Leben mit Taekwondo angefangen...
Vor 10 Jahren habe ich einen guten Sport für meine Tochter gesucht. Sie hatte schon Tanzen und Leichtathletik ausprobiert, aber sie hatte noch keinen richtigen Sport für sich gefunden. Kein Wunder – im Alter von 7 Jahren entscheiden meist die Eltern, was Ihre Kinder machen. In meinem Sportclub wurde auch Taekwondo angeboten. Das Einzige, was ich über Taekwondo wusste, war, dass das ein Kampfsport ist. Also gut für ein kleines Mädchen um Ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sich zu verteidigen. Nachdem ich bei meiner Tochter die ganze Überzeugungsarbeit geleistet hatte, war ich froh, dass sie Taekwondo ausprobieren wollte. Es gab aber, wie so oft im Leben, eine Bedingung von ihr: Sie macht das nicht alleine, hat sie verkündet. Tja, also jemand musste mitmachen. Ich wollte selbst nicht mitmachen, weil ich damals Rückenprobleme hatte, und ich war im Yogarausch. Ich dachte, Taekwondo ist für mich zu gefährlich. So blieb nur der Papa... und so ist Thomas mit Kathi zum Taekwondo gegangen. Nachdem sie ohne Verletzungen nach Hause gekommen sind und immer viel über das Training erzählt haben, habe ich mich entschlossen ein Probetraining zu absolvieren. Ich wollte außerdem mit meiner Familien in der freien Zeit, die wir aufgrund der Berufe so wenig haben, gemeinsam etwas unternehmen. Ich wollte dabei sein. Und so hat mein Leben mit Taekwondo begonnen.

Ich erinnere mich genau an das erste Training, an diese Bewegungen, an die (inzwischen) einfachen Techniken, die so schwer damals für mich waren. Deshalb kann ich mich sehr gut in jeden hineinversetzen, der bei uns neu beginnt, und wenn ich mit den jungen „Kollegen“ trainiere, versuche ich sie auch zu motivieren und zu loben, wenn ihnen eine Übung gelungen ist. Lob ist ein guter Motivator für jeden, und jeder Anfang ist schwer... Mit Begeisterung habe ich damals (und heute immer noch) die Bewegungen des Kyosah-Nims beobachtet und mir gedacht, wann kann ich auch so sein... Wahrscheinlich nie. Ich bin aber ein Kämpfer, und ein „Du kannst das nicht“ toleriere ich bei mir nicht.

Meine erste Prüfung habe ich am 06.07.2007 durchgeführt. Ich war so überrascht, dass ich so schnell das Brett kaputt gemacht habe, erleichtert und stolz. Und ich habe mir vorgenommen jede nächste Prüfung perfekt zu bestehen. Das ist sehr ehrgeizig, werdet ihr sagen. Ja, sicher. Aber Perfektionismus braucht Zeit und kann auch hemmend wirken, weil man denkt, man ist noch nicht gut genug. Ich gehe hiermit sehr kritisch mit mir um. Wenn man vorne steht, muss man Vorbild für die anderen in hinteren Reihen sein. Auch wenn sie jünger sind, muss man so üben, dass die Jüngeren mit Respekt hinschauen und sagen ,,Wow, in dem Alter...“.

Ich erinnere mich, als wäre es heute, auch an die Begegnungen mit Sahbum-Nim Kwon, Jae-Hwa und als er mir persönlich die 6. Hyong gezeigt hat, weil ich sie nicht konnte. Das war so peinlich. Ich habe mir damals geschworen besser zu werden. Besser bedeutet schneller, stärker, höher... Da bin ich zu ehrgeizig. Wie wird man aber besser? DISZIPLIN ist eine Antwort darauf. Du musst regelmäßig trainieren. Nur der, der hart trainiert – auch zu Hause, nicht nur während des Trainings – kann besser werden. Ich denke, es ist egal, wie alt du bist. Wichtig ist, dass man es versucht und tut. Klar, dass mit den Jahren bestimmte Übungen nicht leichter fallen. Jeden Tag Spagat üben – 1 Tag Pause, und man beginnt wieder von vorne... Es ist leider so, auf jedem Fall wenn man älter ist. Oder ich habe für meine Rotgurtprüfung monatelang den 540° Kick geübt, geübt und geübt. Ich war am Verzweifeln (meine Familie auch). Jede kleine Verbesserung hat mich gefreut und motiviert weiter zu üben. Der Kick ist leider noch nicht perfekt. Zum Schwarzgurt wird er es sein. Muss! Da habe ich einen starken Kampfgeist.

Taekwondo ist eine Kampfkunst, die von General Choi Hong-hi mit seinen Schülern, unter anderem mit dem Sahbum-Nim Kwon Jae-Hwa, in 1955 Korea entwickelt wurde. General Choi wollte Karate mehr tänzerisch machen, deshalb arbeiten wir bei Taekwondo mit vielen Beintechniken und das fasziniert mich sehr. Gerade die wunderschönen Kicks, besonders wenn mein Sahbum-Nim sie ausführt, sehen so super aus; aber sie verlangen eine harte Arbeit. Wie hart man an sich selbst und Techniken arbeiten kann, lernt uns General Choi Hong-hi. Er erlangte nur nach 2 Jahren Training den ersten Dan im Shotokan-Karate.

Was ebenfalls bei den Trainings sehr wichtig ist und uns im Alter oft fehlt, ist der MUT. Man braucht ihn zum Beispiel bei so einfachen Sachen wie in die Höhe zu springen. Als Kinder springen wir ständig, ohne Bedenken, aber als Erwachsene hast du einfach sehr viele Bedenken, die dich an dem Boden fast festhalten. Den eigenen Schatten zu überwinden um besser zu werden, den Körper beherrschen und der KAMPFGEIST – das ist sehr wichtig, wenn man erfolgreich sein möchte. Gerade während des Nahkampfes entwickelt man beim Training andere wichtige Eigenschaften, nämlich die KONTROLLE. Jede Bewegung muss genau sein und muss kontrolliert werden, damit man den Partner nicht verletzt. Diese Übungen schärfen ebenfalls unsere KONZENTRATION. Auf diese Weise wird nicht nur der Körper, sondern auch der Geist trainiert. Deshalb ist Taekwondo ein hervorragender Sport für die Stressbewältigung. Also genau richtig für mich!

Wenn ich meinen Dobok anziehe und den Dojang-Raum betrete, bin ich sofort bereit für das Training, und der stressige Alltag ist vergessen. Interessanterweise schalte ich beim Taekwondo schnell ab und entspanne mich besser, als wenn ich laufe. Besonders befreiend wirkt auf mich schon das laute ,,Kiap“: mit voller Energie geschrien, und mein Kopf ist frei, die Müdigkeit nach 400 km Autofahren oder nach anstrengenden Meetings ist einfach weg. Nach dem Training ich bin also entspannter, fühle mich gesünder und ich fühle mich STARK für den nächsten Arbeitstag. Wir brauchen das laute,,Kiap“ um die Hyongs und andere Trainingseinheiten mit Stärke und voller Kraft durchzuführen. Darauf achte ich auch bei den Trainings mit den „Neulingen“. Taekwondo stärkt unser Selbstbewusstsein.

Ab dem ersten Tag bei Taekwondo hat mich die Atmosphäre bei uns begeistert. Wir alle gehen sehr freundlich miteinander um, begrüßen uns, helfen uns, geben uns die Hand. Im Grunde genommen sind das ganz normale Sitten, aber ich beobachte leider auch allmählich, dass sie manchmal im täglichen Leben vergessen werden. Wir RESPEKTieren uns und sind unserem Sahbum-Nim gegenüber LOYAL. Deshalb eine Bitte an alle Eltern: schickt auch aus diesem Grund eure Sprösslinge zum Taekwondo. Wenn ich an die Entstehung von Taekwondo denke, denke ich, welchen Mut und welchen starken Kampfgeist hatte General Quing während des Kampfes mit den japanischen Angreifern.

Es ist also schon mein 10. Jahr beim Taekwondo. Ich habe mir bestimmte Ziele, die ich erreichen möchte, gesetzt. Der Weg ist das Ziel, und ich laufe gerade meinen Weg zu dem nächsten Zwischenziel. Der nächste Schritt ist meine heutige Prüfung, dann kommt die 1.-Dan-Prüfung und dann... Ich bin gerade 50 (noch). Ich werde weiter hart und mit Spaß an mir arbeiten. Und ich freue mich auf die nächsten spannenden Jahre mit Taekwondo und danke meinem Sahbum-Nim, dass er mich gefördert und soweit gebracht hat. Mein Dank geht auch an alle Kyosah-Nims, die mich auf meinem Weg mit Ihrer Hilfe begleiten.

Mein Fazit:
Wenn ich jetzt auf meine Taekwondo Geschichte zurückblicke, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich für meine Tochter damals vor 10 Jahren einen guten Sport ausgesucht habe. Was hat Taekwondo mir gegeben? Für mich sehe ich nur positive Entwicklungen: Ich bin gesünder, habe keine Rückenprobleme mehr. Taekwondo ist für mich die beste Stressbewältigung. Meine Belastbarkeit hat sich ebenfalls weiter verbessert. Ich entwickle mich immer und immer weiter, auch wenn ich manchmal größere Schritte machen wollte. Taekwondo plus Yoga plus Meditation sind meine persönlichen Säulen der Gesundheit. Ich bin auf diese Weise entspannter und fitter für den Alltag. Ich hoffe, dass das weiter so bleibt – aber wenn ich unseren Sahbum-Nim Kwon Jae-Hwa sehe, wie fit er ist in seinem Alter, bin ich sehr optimistisch.

Erfahrungsbericht von Danuta Weyh

„Im Tae Kwon-Do geht es nicht nur ums Schlagen und Treten, es geht darum, das Richtige zu tun.“ Aus dem Buch „Tödliche Kunst“ von Alex Gillis


Hätte man mich vor vier Jahren gefragt, was ich mit Kampfkunst verbinde, wäre ich sicher schnell auf die vielen atemberaubenden Tritte und Kicks gekommen, doch sehr viel mehr wäre mir hierzu nicht eingefallen. Seit fast schon vier Jahren erlerne ich das Tae Kwon-Do, seitdem haben sich nicht nur meine physischen Fähigkeiten verändert, sondern auch meine Denkweise, die Art, wie ich andere behandele und meine eigenen Werte änderten sich.

Als ich vor fast vier Jahren zum ersten Mal den Dojang betrat, ahnte ich nicht, dass Tae Kwon-Do so sehr mein Leben beeinflussen könne. Die ersten Trainingsstunden waren sehr anstrengend, doch meine eigene Schwäche motivierte mich umso mehr, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Als nun die erste Prüfung bevorstand, war ich sehr aufgeregt, so viele Eindrücke wurden doch an diesem Tag gesammelt. Die Gratulation zu meiner bestandenen Prüfung motivierte mich nun noch mehr, denn als ich sah, wie viel die zahlreichen höherrangigen Gurte an jenem Tag zu leisten hatten, wuchs meine Begierde, mit ihnen mithalten zu können. Ab sofort versuchte ich, in jedem Training mein Bestes zu geben, dass etwas für mich nicht möglich war, akzeptierte ich nicht. Diese Einstellung prägt bis heute noch mein Verhalten.

In dem darauffolgenden Jahr durfte ich an vielen Prüfungen teilnehmen und mit jeder von ihnen stieg mein Verlangen, immer besser zu werden. Genau zu jener Zeit veränderte sich auch meine Einstellung zum Tae Kwon-Do. Anfänglich schien es nur ein Hobby zu sein, doch die Gedanken an Tae Kwon-Do konnte ich nach dem Training nicht einfach im Dojang zurücklassen. Selbst wenn ich nicht jeden Tag trainieren konnte, so nehme ich doch aus dem Training viel mehr mit, als nur die Techniken. Im Tae Kwon-Do geht es nicht allein darum, seinen Körper auszubilden, die physische Kraft zu stärken, sondern viel mehr auch psychisch heranzuwachsen.
Respekt war eines der ersten wichtigen Dinge, die ich aus dem Tae Kwon-Do in mein alltägliches Leben außerhalb des Dojangs mitnahm. Ich lernte, zu respektieren, auch wenn dieser Respekt manchmal nicht erwidert wurde – „im Tae Kwon-Do geht es darum, das Richtige zu tun“ – das Richtige für mich ist es, jede persönliche Meinung zu akzeptieren und die Leistungen eines jeden anzuerkennen. Tae Kwon-Do verändert nicht nur meine physische Kraft, sondern bringt mir gleichzeitig bei, sich immer für das Richtige einzusetzen.

Für mich sind die Prüfungen nicht das wichtigste, viel mehr, was ich auf dem Weg dorthin gelernt habe, dass ich das Erlernte auch in meine Denkweise mit einbinden kann und immer ein neues Ziel vor Augen haben werde.

Vor vier Jahren fing ich an meinen Freunden die Vorfreude auf das bevorstehende Training mitzuteilen. Das hat sich bis heute nach all den Jahren immer noch nicht verändert, jeden Dienstag und Freitag erzähle ich ihnen, wie sehr ich mich darauf freue, am Abend erneut in den Dojang zurückzukehren „nach Hause“ zu kommen, auf die Familie zu treffen, die dieselben Interessen teilt wie ich und mit ihnen zusammen auf die Ziele, die sich viele von uns gesetzt haben, weiter hinzuarbeiten. Sobald ich den Dojang betrete, vergesse ich alle Probleme des Alltags, ich konzentriere mich einzig und allein auf das Training, denn das ist es, was für mich in diesem Moment wichtig ist. Jedes Mal, wenn ich mir meinen hart erarbeiteten Gürtel umbinde, denke ich an die vier vergangenen Jahre. Ich denke daran wie alles angefangen hat, wie sehr ich mich sei dem verändert habe und ich bin mir sicher, dass ich ohne das Tae Kwon-Do und ohne die Hilfe meiner Meisterin niemals so viel in meinem bisherigen Leben erreicht hätte. Besonders bedanken möchte ich mich hierbei bei meiner Trainerin Kathrin Zemelka, die mich immer unterstützt hat und ohne die ich niemals so weit gekommen wäre.

Tae Kwon-Do hat mir eine neue Welt näher gebracht die ich Stück für Stück immer mehr in mein Leben integriere.

Mein Ziel ist es also nicht nur, den schwarzen Gürtel irgendwann umbinden zu können, sondern immer neue Ziele im Tae Kwon-Do zu haben, dass mein Weg in diesem Kampfsport nie enden wird, immer diesen Willen zu haben, sich zu verbessern, sich zu steigern, seine eigenen Grenzen zu überqueren und, dass ich immer diese Konstante haben werde, auf die ich mich verlassen kann.

Erfahrungsbericht von Leoni Fahrenkrug

"Never never quit." Tae Kwon-Do Großmeister Kwon, Jae Hwa


8 Jahre Tae Kwon-Do bedeuten für mich, dass ich längst nicht am Ende des Lernprozesses angekommen bin. Vielmehr, dass ich auf so viele tolle Erinnerungen, Eindrücke & Erlebnisse zurückblicken kann, die mich manches mal einfach nur sprachlos machen ...

Wenn man über einen so langen Zeitraum ein Interesse ausübt, dann wird es irgendwann mehr als bloß ein alltägliches Hobby. Irgendwann setzt der Denkprozess ein, dieses "Warum mache ich das eigentlich? Was möchte ich erreichen, wie geht´s noch weiter?" ... an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Meister sowie befreundeten Mitstreiter, welche diesen Weg bisher mit mir gegangen sind, und hoffentlich noch weiter gehen werden. Besonders an meinen Freund & nun Großmeister Axel Schulze, von dem ich so ziemlich alles gelernt habe, was mich heute in sportlicher Sicht ausmacht. Und der mir so viel Neues gezeigt hat, was alles früher so unglaublich fern schien. Nun, nach jahrelangem Training, weiß ich zumindest, dass ALLES was wir uns in physischer Hinsicht vornehmen, auch gelingen kann, solange wir darauf hin arbeiten.

So vieles gesehen, so viele neue Leute kennen gelernt, so vieles erlebt ... toll ist, dass es eine Lebenseinstellung geworden ist. Egal ob in fröhlichen Sonnenschein-Zeiten, oder in traurigen Phasen, ich weiß für mich, dass ich immer wieder den Weg in unseren Dojang finden werde, mir den weißen Dobok überstreifen kann, den hart erarbeiteten Gürtel knoten werde, mich ins Training stellen darf & dann die Welt komplett ausblenden kann - mich nur noch auf die aktuelle Sache konzentrieren & alle Probleme fallen lassen kann ... ich denke, genau DAS ist es was eine Kampfkunst eventuell auch ausmacht. Dieses Gefühl, angekommen zu sein, sobald man im Training steht.

Das wichtigste was ich über die Jahre erlernt bzw. vermittelt bekommen habe, ist die Eigenschaft des Respekts. Respekt gegenüber sich selbst, Respekt gegenüber Anderen. Vielleicht ist dies auch sehr entscheidend für unsere heutige Zeit, um positiv auf Andere wirken zu können. Und die Trainingseinstellung, dass man nur weiter kommt, wenn man hart und ehrlich dafür schwitzt & hinarbeitet. Auf ein Ziel hin. Und wenn man dies eines Tages erreicht hat, sich nicht darauf ausruht, sondern noch weiter geht ...

Eines Tages wird dann vielleicht auch der schwarze Gürtel, der Weg hin zum Meister, folgen. Bis dahin aber bin ich weiter stolz auf mein Erreichtes sowie diesen wundervollen roten Gürtel, der zum einen unseren Anzug zusammen hält, zum anderen derart viele Erinnerungen in sich trägt, dass er zu meinem besten Freund geworden ist. Immer wenn es wieder an der Zeit ist, der geübten Knoten festzuzurren, weiß ich, warum ich das mache ... weiß ich was bisher alles geleistet wurde ... hoffe ich darauf, was noch folgen wird.

In diesem Sinne, hoffe ich mal ich werde eventuell in 8 Jahren wieder so einen Text verfassen können, und dann noch dankbarer für Alles sein können.
Taekwondo, das ist Teil des Herzens bei mir geworden. Hier habe ich für mich eine (sportliche) Familie gefunden. Hier bin ich stets willkommen.

Erfahrungsbericht von Karsten Seifart

Nun ja, was soll ich sagen, bis vor sieben Jahren wusste ich noch nichts von Tae Kwon-Do. Den Begriff hatte ich schon gehört, aber das, was darunter zu verstehen war, konnte ich mir nicht einmal vorstellen. Das Ganze sollte sich schlagartig ändern, als mein Sohn eingeschult wurde. Regelmäßig habe ich ihn vom Hort abgeholt, nicht zuletzt um zu erfahren, wie er sich in der Schule so schlägt. An einem Nachmittag, als es mal wieder so weit war und ich in der Schule auftauchte, kam ich ins Gespräch mit einem der Hortmitarbeiter. Dies war Herr Schulze. Er erzählte mir von Tae Kwon-Do. Zu diesem Zeitpunkt baute er in Jena gerade eine Schule auf und ich sollte doch mal zum Schnuppern vorbei kommen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner ahnen was dieses Gespräch für Auswirkungen, nicht nur auf mich, haben sollte. Ein paar Wochen gingen ins Land bis ich meiner Frau von diesem Gespräch berichtete. Ihre Meinung: „gucken kostet nichts“ und vielleicht gingen ja davon meine Rückenprobleme weg und das Allgemeinbefinden wird besser. Heute glaube ich manchmal, wenn Sie zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte was daraus wird, so hätte sie mich vielleicht nicht unbedingt ermutigt zu schnuppern. Bei mir war es nach dem Probetraining so weit. Nun suchte ich nur noch nach einen günstigen Zeitpunkt für das Probetraining Training. Hierzu führte ich ein Gespräch mit Herrn Schulze. Ergebnis:  Wir einigten uns auf die bevorstehenden Ferien, da zu diesem Zeitraum nicht so viele Schüler an die TKD Schule kommen und somit genügend Zeit ist um einen allumfassenden Überblick vom Training zu bekommen. Ich konnte nicht erahnen, was ich damit angerichtet hatte, in den Schulferien zum Probetraining zu gehen. Aber, gesagt getan. Ich packte meine Tasche und machte mich auf den Weg nach Jena. Als ich die TKD-Schule betrat war ich überrascht wie unwahrscheinliche höflich alle mit einander umgingen. Mann Verbeugte sich vor einander gab sich die Hand und alle stellten sich bei mir vor. Kurzzeitig war ich sehr desorientiert. Herr Schulze war schlagartig Kyosah-Nim und nicht mehr Axel Schulze. Das verstand ich nun gar nicht.

Das Training begann. Es wurde mit einer Aufwärmung gestartet. Schon zu diesem Zeitpunkt sagte ich mir innerlich „du gibst nicht auf“ obwohl ich eigentlich am liebsten weglaufen wollte. Aus meiner Sicht habe ich die Unterrichtsstunde bis zum Ende tapfer durchgehalten.
Danach ging ich nach Hause. Auf dem Weg sagte ich mir immer und immer wieder: „Nie wieder tust du das!“ Zu Hause angekommen legte ich mich ins Bett und schlief sofort ein. Am nächsten Morgen kam das Erwachen. Allein aus dem Bett aufstehen war eine Qual. Die Arme heben oder auch laufen ging auch nicht wirklich besser. In diesem Zustand befand ich mich bis zur nächsten Trainingseinheit, denn ich ging wieder hin. Nur um nicht zu zeigen, wie sehr mich das Training körperlich anstrengte, ging ich von jetzt an jedes mal immer wieder hin. Getreu dem Motto: „Die Zeit heilt alle Wunden“ wurde es natürlich von Woche zu Woche besser und meine Rückenprobleme verschwanden zusehends.

Fortan stand ich als Weißgurt in der Letzten Reihe und das Begehren auch vorn zu stehen wuchs in mir stetig. Im Laufe der Zeit wuchs auch die Trainingsgruppe und immer neue Schüler kamen hinzu. Diese machten auch regelmäßig Prüfungen. Nur einer stand tapfer in der letzten Reihe und wunderte sich darüber, dass er keine Prüfung machen durfte. Ein Trainingspartner, sagte immer zu mir: „der Meister entscheidet wann der Zeitpunkt zu Prüfung gekommen ist, ein Schüler fragt nicht“. Diesen Hinweis beherzigte ich. Ich fragte also nicht nach meiner ersten Prüfung. Aber in dieser Zeit wuchs in mir der Verdacht, dass mein Training so schlecht sei, dass ich es einfach nicht verdient hätte eine Prüfung abzulegen. Nach vielen Monaten war es endlich so weit, ich durfte zu meiner ersten Prüfung antreten. Ich wusste gar nicht so recht was da passiert, bis der Meister mir zu meiner bestandenen Prüfung gratulierte. An diesem Tag fasste ich den Entschluss, mit Vollendung meines 50 Lebensjahres ein Schwarzgurt zu seien.

Von nun an änderte sich meine Einstellung zum Tae Kwon-Do grundlegend. Ich betrachtete es bis dato immer als sportliche Ertüchtigung die mir gesundheitlich gut tat. Jetzt wurde daraus eine Lebenseinstellung, die mir in meinen Leben mehr Ruhe und Besonnenheit vermittelt. Ich bringe wesentlich mehr Verständnis für andere auf, auch wenn dies manchmal schwer fällt.

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis war meine erste Begegnung mit Großmeister Kwon, Jae-Hwa. Diese ereignete sich in der damaligen Schule in Eisenberg. Von diesen Tag an beschäftigte ich mich intensiver mit der Geschichte des TKD und der Entstehung, wobei ich immer wieder viele neue Dinge darüber lernte.

Jetzt bin ich ein Rotgurt. Natürlich bin ich auch schon einige Jahre älter wie zum Start. Zu manchen Trainingseinheiten fällt es mir schwer verschiedene Techniken zu erlernen. Ich habe viele Freunde dazu gewonnen, aber auch einige wieder verloren. Als Rotgurt versuche ich meine Erfahrungen weiter zu vermitteln um andere zu motivieren. Ich fahre regelmäßig als Erzieher mit ins Ferienlager und erfreue mich daran, zu sehen wie sich die Kinder entwickeln.

Mein Meister ist Großmeister und ich bewundere seine Leistung sehr. Mein Wille ein Schwarzgurt werden zu wollen ist ungebrochen und ich danke Großmeister Axel Schulze mich so weit gebracht zu haben. Ich möchte die Trainingseinheiten bei ihm nicht missen. Ich wünsche mir noch sehr lange die Kampfkunst des TKD ausüben zu können und damit würdig zu Altern.

Erfahrungsbericht von René Stubenrauch